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Institut für Grillrituale

Science-Day am Institut für Grillwissenschaften!

Dr. DreischfeldDr. g. C. feu. Bernd Dreischfeld beim Beginn des Grillrituals. Das traditionelle Angrillen am Institut für Grillwissenschaften und Tschewaptschik begann dieses Jahr mit einem ganz besonderen Schmankerl, das Prof. Dr. mett. S: Alsicetta et. al. in den letzten Monaten recherchiert und vorbereitet hatten (im Bild links Dr. g. C. feu. Bernd Dreischfeld beim Beginn des Grillrituals).

Anheizen

Man wollte (freilich mit modernen Mitteln und unter Berücksichtigung aller denkbaren hygienischen Vorschriften) das Angrillritual zelebrieren, wie es aus Väter- und Vorväterzeiten überliefert wurde, und wie es wohl vor Jahrtausenden schon auf dem "Altar der Winde" praktiziert wurde. Der Name "Altar der Winde", so legen unsere aktuellen Recherchen nahe, rührt von der vornehmlichen Sorge her, dass der Wind günstig stehen möge. Er war zu Zeiten der Grillpriester der größte Feind und höchste Verbündete des Grillpriesters: Stand er schlecht, konnte er die Hütte verqualmen, den Nachbarn erzürnen, hungrige Verwandte auf den Plan rufen, Indianer auf den Kriegspfad locken oder gar Regenwolken mit sich bringen. Stand er aber günstig, so verflüchtigte er den Qualm, der unweigerlich beim Anlassen des Feuers entstand, und versorgte die Glut mit frischem Atem, so dass das Feuer bald aufbordete und infrathermes Kochen ermöglichte.

Die Grillpriester bei den Vorbereitungen

Das Kochgerät wurde nachweislich nach dem Grillen grundsätzlich nicht gereinigt. Wozu auch? Im vorfeuerzeuglichen Zeitalter musste man einfach immer weiter grillen; wenn das Feuer ausging, war meist das Überleben der ganzen Sippe akut gefährdet. Da man aber zur Zeit der Mammutjäger nachweislich noch keine Tiefkühltruhen kannte, war es höchstens möglich, ein Mammutsteak für 10.000 Jahre in einer kleinen Eiszeit einzufrieren. Leider war der Abtautermin nicht genau vorher zu sagen. Dem heutigen Grilllologen blutet das Herz, allein wenn er daran denkt, wieviel wertvolles Hüftsteak in diesen Jahren vergammelt weggeworfen worden ist.

Alsicetta mit SpiessDa über die Tage vom Prä- bis zum Nachjul nicht gegrillt wurde, wurde Anfang Lenz immer aufs neue feierlich angegrillt.

Hier sieht man Professor Alsicetta mit einem kleinen portablen Grillmeiler beim Feuerentfachen auf dem freien Felde. Es war hierzu aus Authenzitätsgründen nötig, eine Waberlohe einzufangen. Im Hintergrund der Dienstwagen des Instituts.

Die Glut ist mittlerweile in den Großgrill gelangt. Wichtig zu erwähnen noch, dass unbedingt eine Handvoll Asche vom Vorjahr aufgehoben werden muss.

Im Bild rechts sieht man Professor Alsicetta mit einem blutjungen und frisch gerupften Tapyr-Frischling. Er trägt zur Wahrung der Authenzität die dunkelblaue Robe der Grillpriesterschaft. Darunter kann man noch das purpurne Untergewand der Feuermacher sehen, das er noch von den Feuerweihe-Ritualen trägt. Im Gürtel das noch blutige Schlachtermesser. Es wird nachher über dem Feuer gereinigt. Das stinkt zwar bestialisch, reinigt aber wirklich.

Sauber resizierte Hufe am TapyrkükenZuerst wird der ausgenommene und gerupfte Tapyr-Frischling mit Pastinakengagout gefüllt. Dieser wird nach wenigen Minuten betonhart, ist dabei aber sehr leicht und keinesfalls durch Beton adäquat zu substituieren! Diese Füllung hält später den Spieß schön mittig im Leib des Grillates. Daraufhin werden die Hufe sauber mit einem Schlag abgetrennt, sie dienten bis zur Fixation auf dem Spieß als Griff. An solchen Details erkennt man die professionelle Recherchearbeit des Teams um Alsicetta.

Tapierkalb_gerupft

Hier sieht man das Tier noch einmal in aller Pracht. Die Haut muss nun ein paar Minuten vor sich hin trocknen, damit der Aschebewurf besser haftet. Dazu bepudert der Priester das Opferstück mit der geretteten Asche aus der vorherigen Grillsaison und erreicht dadurch eine symbolische Bindung zu seinen Vorfahren. Man könnte auch andere Überreste vorheriger Grillfeste bis hin zu Fäkalien oder fettiges Einmalgeschirr nehmen, aber wir geben unseren Vorfahren Recht: Die Sache mit der Asche ist zwar sentimentaler Blödsinn, aber eine nette Geste gegen die Kreatur.

Alu schmilzt und verbrenntHier sieht man wie das Grillat bereits in die Esse eingebracht wurde. Das frühmorgenstundliche gewissenhafte Anfachen hat sich wirklich gelohnt: Der Grill brennt unglaublich heiß. 109.300°A auf der erweiterten, relativen Steve-Ausage-Grilltemperaturkurve wurden gemessen - wir konnten es selbst kaum glauben. Leider schmilzt (per definitionem) bei 80.001°A einfaches Aluminium und verbrennt. Zum Glück ist der Kern des Feuers so sauerstoffarm, dass wir keine Verpuffung befürchten mussten (wie bei der großen Wurst-Con im letzten Frühjahr - Rektor sei Dank!)

Und da ist dieses dumme kleine Alublech auch schon verbrannt. Nächstes Jahr nehmen wir wieder Asbest und Schamott. Soviel steht fest.

Kürschnerantrieb

Hier sehen wir noch einmal den ganzen Aufbau: der Spieß, zwischen zwei vergoldeten Widerlagern eingehängt, rotiert mit exakt 900° pro Minute um seine "Horizontalachse". Dies wird durch den an der Universität Styrum vor längerer Zeit entwickelten, bewährten und schon mehrfach verbesserten Kürschnerantrieb gewährleistet. Vereinfacht gesprochen, bildet die Rotationsfrequenz und die Oberfläche des Grillates die Richtkonstante. Die Hitze, die eingebracht wird, kann vom Grillator manuell verändert werden.

Ein Zusammenhang von e=cm² ergibt sich mit der Oberfläche des Grillates in cm² (SI-Einheit) und E=ins Grillgut eingebrachter Energie. Die Rotationsgeschwindigkeit kann als Linearfaktor eingebracht werden. Einstein scheint uns Recht zu geben.

Rotating BroilerHier sieht man das Grillat vor sich hin rotieren. 60 Bogenminuten (exakt an der Sonnenuhr abzulesen) später hat das Grillat 54.000° Rotation hinter sich, bei 109.300°A bedeutet das ein anzunehmendes Energieverhältnis von 2°/1°, bzw einen Minzmiet-Faktor von 0,5 der mit der Hubble-Konstanten in die Formel eingeht. Der vorausberechnete Garzeitpunkt ist somit erreicht, das Grillgut kann aus der Esse genommen werden.

Fernpinsel

Per Fernpinsel wird das Tapyrküken mit Met eingerieben. Met galt ja in der Altvorderenzeit als Göttertrunk. Wir nehmen an, dass die Götter auf diese Weise an dem Prozedere teilhaben konnten. Aufgrund der unvorstellbaren Hitze an der Esse verwendet Alsicetta ein nach altem Vorbild nachgebautes Grillzepter mit Tapyr-Nackenborsten, die sehr Hitzefest sind.

Das nun fertig gegarte und vom Spieß befreite Opfertier (Bild unten) wird vom Hohepriester alten Überlieferungen zufolge mit den Worten angeschnitten: "Gelebt hast Du, und zu neuem Leben verhilfst Du uns". Es ist dabei dringend notwendig, dass das Messer die Größe des Opfertieres erreicht oder übertrifft.

Tapyrkuken gar - opferbereit

Über das feierliche Tranchieren und die dabei zu beachtenden Rituale berichet demnächst:
Ihr Prof. Alsicetta vom Institut für Grillrituale

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