Medizynische Fakultät

Institut für Dokumentations- und Verwaltungsmedizin

Prof. Karl KlammerTulla-Seehopfer-Institut für Dokumentations- und Verwaltungsmedizin an der medizynischen Fakultät der Universität Styrum. Direktor: Prof. Dr. ord. Karl Klammer (rechts im Bild).

Verwaltungsmedizyn ist eine uralte Kunst und gewinnt im Moment immer mehr Anteil am gesamten Therapiewesen.

Obwohl die Verwaltungsmedizyn schon von jedem praktizierenden Arzt täglich angewandt wird, gewinnt sie doch in letzter Zeit immer mehr Anteil an der täglichen Arbeit des Medizynikers. In manchen Fachrichtungen werden von 50-60% Anteil an der Gesamtarbeitszeit gesprochen. Wenn die Prognosen, basierend auf den derzeitigen Trends zutreffen, so therapiert ein deutscher Stationsarzt ab 2007 praktisch ausschließlich durch Verwaltungsmedizyn. Die Vorteile liegen auf der Hand: Es werden kaum noch Ressourcen verbraucht, und durch den Einsatz von elektronischer Datenverarbeitung (EDV) und - falls es überhaupt noch nötig sein sollte - selbstverständlich chlorfrei gebleichtem Papier, fallen kaum noch entsorgungspflichtige Abfälle an.

Patientenkontakt bekommen die Medizyniker, wie heute schon üblich, in ihrer Freizeit, von manchen unverbesserlichen Hobbysatirikern "Überstunden" genannt. Das Tulla-Seehopfer Institut denkt aber meistens, dass dies nicht nur in Einzelfällen das nötige Mindestengagement in Heilberufen nicht überschreitet.

Ab dem 3. Quartal 2006 wird das TH-Institut mit der Vergabe des Facharztes für Verwaltungsmedizyn beginnen. Obwohl wir eine gleichmäßige Sättigung des Arbeitsmarktes mit Verwaltungsmedizynikern anstreben, sollte daraus doch kein Dumping-Titel werden. Es wird daher angestrebt, schon ab 2009 jeden klinischen Verwaltungsdirektor bei Bedarf mit speziell geschulten Dokumentar- und Verwaltungsärzten zu versorgen. Unsere Sorge kommt zur rechten Zeit, nicht nur der Fachmann wird einsehen, dass das Gesundheitssystem, jetzt schon von einer Nachwuchsflaute gebeutelt, kaum noch einen weiteren Fachärztemangel verkraften dürfte. Und man male sich einmal die Folgen aus, sollte ein Fachbereich - und gerade jener der Verwaltungsmedizyn - zusammenbrechen!

Bei Bedarf wird es auch möglich sein, den in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion vertretenen "Formularmedizyniker" mit EDV-Kursen auf den Verwaltungsmediziner im Sinne der ÄAPPO umzuschulen. Gegen 2006 erwarten wir auch den Einzug der Verwaltungsmedizyn in die Prüfungsordnung. Und zwar in allen Examina, beginnend mit dem Physikum. Da das jüngst bundesweit eingeführte "Problem-Orientierte-Lernen" sich mit seinen Paper-Cases jetzt schon bestens dafür eignet, sehen wir hier eine blühende Zusammenarbeit. Eine ganze Armee von Schelmen, die behauptet, Verwaltungsmedizyn mache den Patienten zum Paper-Case.

Was das THI bald schon bieten wird, werden Qualitätsmanager sein. Hier ist nicht etwa ein besonders hochqualitativer oder qualifizierter Manager gemeint, sondern ein Systemoptimierer. Wie wenig Qualität können wir uns erlauben, damit der Patient mit seinen Augenproblem nicht abwandert, zum Beispiel zum Elektroinstallateur oder Klempner? Aber das ist natürlich nur ein stark vereinfachtes Beispiel.

So hart es nun mal klingt: Qualität kostet Geld, und Qualität wird in diesem Land vielfach flächendeckend vergeudet. Perlen vor die Säue? Nun ja, Patienten als Säue zu bezeichnen, das möchte ich hier nicht generalisieren. Das Problem sind hierbei die weißen Kittel. Im Privatisierungsstreit städtischer Kliniken ist "der weiße Kittel" das Kapital einer Klinik.

Der Patient glaubt an den "weißen Kittel", er kommt weil es im Krankenhaus "weiße Kittel" gibt. WK=Heilung. So einfach ist das. Wenn wir dem WK-Effekt über Gebühr schaden würden, so würde der Patient seinen Glauben an die Ärzte und auch an das Krankenhaus verlieren und nicht mehr kommen. Ein gutes Hospiz hilft auch in vielen Dingen und da werden zum Teil recht bunte Arbeitskleidungen verwandt.

Aus diesem Grunde werden die Qualitätsmanager, die das THI verlassen, auch keine Kittel mehr tragen, sondern z.B. Armani-Anzüge. Sie ersparen dem Haus ja effektiv Ausgaben, und soviel sollte es der Verwaltung schon wert sein. Derzeit diskutieren wir mit Inoffiziellen aus Politik und Wirtschaft auch den gegenteiligen Fall: Die Umkehr des WKE. Wir nennen ihn hier mal der Einfachheit halber SK-Effekt.

Ab und an soll es vorkommen, dass bestimmte Fachbereiche ihr Budget überschritten haben. Kaum ein praktischer Arzt schafft es hier, seinem Verwaltungsdirektor Folge zu leisten und verschreibt weiter gewissenlos Anwendungen; bis die Klinik halt ruiniert ist.

Hier greift der Qualitätsmanager ein: Er dämpft durch gezielte Maßnahmen rechtzeitig den WKE und bringt einen SKE ins Spiel: Bis die Patienten sich es anders überlegen und möglicherweise gar nicht mehr so krank sind. Vorläufig werden hier Mittel diskutiert, die nichts mit der eigentlichen Medizyn zu tun haben. Der QM möchte ja keinem Arzt ins Handwerk reden! Derzeit erprobt das THI welchen Effekt es hat, wenn in Wartezimmern immer volle Aschenbecher herumstehen oder das Rauchen generell fallweise erlaubt oder verboten wird. Auch der Einsatz vornehmlich nicht-deutschsprachiger Reinigungsfachleute und Hilfskräfte könnte hier den erwünschten Effekt haben.

Man muss die Sache eben mit den Augen des Patienten sehen, ohne die gewünschten Ziele aus den Augen zu verlieren. Das hat sich das THI auf die Fahnen geschrieben.

Mit freundlichen Grüßen, nicht nur an die Kollegenwelt,
Ihr K.Klammer.

Verwaltungsmedizin

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