Medizynische Fakultät

Institut für Kasuistik

 

Die Institutsleiterin Frau Dr. cas. Eva Marienheimer beim Sanieren eines schweizer Käses unklarer Pathologie.

Frau Dr. cas. Eva Marienheimer
beim Sanieren eines schweizer Käses unklarer Pathologie.


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Der Käse, der sich im November bei uns mit rezidivierenden, idiopathischen Nekrosen vorstellte, klagt seit längerem über übelriechende, konfluierende, gangränöse Ulcera. Er wird im großen Angang von Frau Dr. Marienheimer saniert. Man sieht wie Frau Dr. Marienheimer im septischen OP beherzt das durchwucherte, stark kontaminierte Material abträgt. Dabei kommen fast ausschließlich schneidende Werkzeuge und scharfe Löffel zum Einsatz.

 

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"Mit Thermokautern und Elektroschlingen haben wir keine guten Erfahrungen gemacht." Zum Schluss sehen wir den Käse kurz vor dem Verbinden, vollsaniert. "Eine Defektdeckung ist nicht vorgesehen, wir haben festgestellt, dass der Käse am besten von innen allein wieder hochgranuliert.

Proben gingen an das mikrobiologische Institut für Bommelkunde und zurück an die schweizer Regierung (die ja bekanntlich neutral agiert), wir gehen aber von geringer Malignität und Totalresektion aus.

Mit Rezidiven rechnen wir zwar nicht, die 5-Jahresüberlebenserwartung ist bei diesem etwas in die Jahre gekommenen Käse jedoch gering", so Marienheimer zum weiteren Vorgehen.

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Fahnen auf Halbmast an unserem Institut!

moehre_smallDie Institute für Bommelkunde und Kasuistik sind in tiefer Trauer versunken. Aus dem Büro von Chefärztin Prof. Marienheimer dringen leise Schluchzer, die Stimmung ist im Keller.

Ursache ist der plötzliche Tod einer Karotte, die vom Institut für Bommelkunde seit zwei Monaten betreut wurde. Vorstellungsgrund war ein leichter Diabetes mit beginnender Angiopathie. Hier die Möhre bei Erstvorstellung (Abb. 1). Sieht man dieses Bild, kann man die Gefühle des chirurgischen Stabes um Marienheimer verstehen.

"Die Möhre ist auf dem Tisch geblieben". Dieser wohlwahre Satz aus der chirurgischen Fachsprache ist hier doppelt richtig, denn schon nach zwei Monaten lag die Möhre immer noch auf unserem Tisch und war nun leider wahrhaft kein junges Gemüse mehr. Da machten sich Zeichen eines progredienten Gefäßverschlusses bemerkbar.

Marienheimer, die eigens aus dem wohlverdienten Urlaub zurückberufen wurde, tat ihr möglichstes, doch es war vergebens.
Hier sieht man das Endstadium (Abb. 2). Die Nekrosen sind schon weit vorangeschritten.

Zu unserem großen Entsetzen mussten wir feststellen, dass große Teile der PAVK-Gebiete mit Lattenrost befallen waren. Wir befürchteten ein Ausbrechen einer großen Lattenrostepidemie. Daß der gemeine Lattenrost die Artengrenze überschritten hat, wäre eine Hiobsbotschaft für die Gemüse-Medizyn. Wir gehen von einer besonders agressiven Serogruppe aus - von daher danken die männlichen Kollegen auf Knien, daß Marienheimer die verantwortungsvolle Aufgabe übernahm.

OP-Bericht

Rektor, Lächler und Russe21:50h: Das OP-Team ist noch guter Dinge (links im Bild unser Rektor Gnudnoff, Abb. 3). Um 22°° SGT erfolgte der erste Schnitt, die Möhre war stabil und voll relaxiert. Schon bald nach Beginn der Präparation mussten wir feststellen, dass die Amputationsgrenze mehr als 2/3 des Gesamten Fruchtkörpers betroffen hätte. Leider müssen in solchen Fällen wegen des fehlenden Extrinsic-Factors (welcher nur im Bauchbereich der Möhre generiert wird) die Vitalstoffe substituiert werden, was die 5-Jahresüberlebensrate drastisch verschlechtert, vor allem bei älterem Fruchtgemüse und Möhren.

Marienheimer versuchte es trotzdem aufgrund der ohnehin infausten Prognose. Wegen eines atypisch liegenden Rukula-Ganglions (welches ebenfalls befallen war) brach gegen 01:30h die Möhrenperistaltik plötzlich zusammen. Ein selbständiges Stillen der Möhrensaftverluste war nicht mehr zu hoffen. Marienheimer bestellte noch 2 Karottensaftkonzentrate, die aber wegen fehlenden Pulses der Rukula-Spezies ohne Kreuzreaktion gegeben wurden. Etwa 20 Minuten später zeigten sich überall auf der Möhre petechiale Blutungen, der Schockzustand trat ein, Kreislaufversagen. Um 3°° stellten wir das Reanimieren ein.

Während das total ausgezehrte OP-Team (Abb. 4) in den Feierabend geschickt wurde, stellte Prof. Gnudnoff den Toasten-Schein aus und besprach alles Weitere mit den Angehörigen.

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"Die Möhre blieb auf dem Tisch, so was passiert. Marienheimer und ihr tapferes Team trifft keine Schuld".
(Prof. Gnudnoff)

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