Philosophische Fakultät

Institut für Eurattig

Von der Rasse der Ratte

Auf dem Globus gibt es derzeit etwa 35 Milliarden Ratten. Die älteste Rattus-Gattung kann fossil etwa auf 20 Millionenen Jahre eingeordnet werden. Daher wundert es nicht weiter, dass die Ratte, nicht nur wesentlich älter und zahlreicher als der Mensch, viele Formen der Existenz und der gesellschaftlichen Organisation, die der Mensch als seine Erfindung ansieht, schon durchlaufen, vielleicht schon abgelegt hat.

Im Folgenden sollen einige Rattenrassen genauer betrachtet werden.

Die Laborratte, Rattus Elaboratorius, der Kommunist unter den Ratten.

Seit den 20er Jahren des 20.Jahrhunderts hat die Ratte als Versuchstier das Kaninchen nahezu verdrängt. Dies ist in erster Linie auf die Selbstlosigkeit und die große Intelligenz der Ratte zurückzuführen. Obwohl die Laborratte sich ind er Regel nicht fortpflanzt und auch keine biologische Rolle mehr spielt, hat die Ratte es mit Anpassungsfähigkeit geschafft, diese ökologische Niesche statistisch exklusiv für sich zu erobern. Dabei spielt das Vergnügen und der Luxus in der Existenz für die einzelne Ratte keine Rolle. In den 80 Jahren forderten viele Ratten ihre biologischen Rechte ein, kokettierten mit ihrer Intelligenz und Liebenswürdigkeit. Diese eitele Phase des Luxusdenken gefährdete kurzfristig ihre ganze Existenz als Besetzer der Ökologischen Nische der Labortiere: Sympathisierende Ökoaktivisten forderten natürliche Lebensbedingungen für die Ratten.

Daraus erwuchs kurzfristig ein riesiges Problem: Die Ratten WOLLTEN auf geringem Raum in größeren Familien leben. Unter dem Überangebot von Luxuseinrichtungen wie Laufrad, Schwimmbecken etc., entwickelten sie schnell den Feudalismus und die Klassengesellschaft. Nur: unterschiedliche soziale Rattenstufen haben unterschiedliche Leistungsfähigkeit. Die alpha-Kampfratte zum Beispiel war sehr widerstandsfähig, nicht nur gegenüber störenden Umweltfaktoren, sondern auch gegenüber -zum Teil gewünschten Therapeutika.

Die Up-Ratte

war ein bisschen leistungsfähiger als die Down- oder Minus-Ratte, waren keine Down-Ratten vorhanden, verpuffte dieser Effekt
sofort. Ein Sozial-Eluat aus Minus-Ratten jedoch schuf in kürzester Zeit einen Pseudo-Feudalismus in dem jeder jedem auf den Sack ging und nichts dabei heraus kam. Erst nach einigen Generationen war dieses Problem behoben und eine natürliche Gesellschaft aus Alpha, Up, Down und Minus-Ratten hergestellt.

Schließlich fand man auch, was keiner für möglich gehalten hätte: die Scheißegal-Ratte. Sie ist immer glücklich und produziert keine sozialen Spannungen. Komischer Weise gab es sie nur in Psychopharmaka-Testreihen. Dem Außenseiter ist das Problem das sich hieraus ergibt vielleicht nicht evident: Nimmt man aus einem Bereitstellungskäfig mit [n Ratten] eine geringe Menge (zB [m Ratten], oder noch viel weniger: [k Ratten]) heraus und benutzt sie für ein Experiment, so entscheidet die Klasse der Ratte enorm über das zu erwartende Ergebnis. Die Tests sind wertlos.

So kam man schon Ende der Achtziger wieder zum Einheitskäfig zurück und man wunderte sich sehr: Alle Ratten waren wieder gleich und standardgetreu. Hat die Ratte den Kommunismus im Blut?

Die Punkerratte (Rattus zeckus), ein Symbiont

Die Punkerratte ist eines der erstaunlichsten Wesen, das je die Symbiose mit dem Menschen eingegangen ist. Hat es bei den Hunden Jahrmillionen gedauert, bis aus dem verpissten und zähnefletschenden Wolf ein kraulbares Haustier geworden ist, schaffte die Ratte es innerhalb von wenigen Jahren zu einem Haus-, nein sogar zu einem Leibtier zu avancieren. Dabei konsumiert sie von ihrem Biotop-Menschen alles von Nahrung bis hin zu Körperwärme. Dabei dient sie ihm mit ihren ganz herrausragenden Fähigkeiten: Durch ihre Exkrementabsonderung hilft sie ihrem Symbionten, teures Patchuli einzusparen und hält zum Beispiel Drogen/GEZ-Fahnder auf Distanz. Ihrerseits kann sie mit ihrer vortrefflichen Nase gutes von schlechtem Canabis Indica unterscheiden und Herrchen/Frauchen erinnern, wenn sie aus Versehen wertvolles Altglas stehen gelassen haben.

Die Schiffsratte: internationaler Überlebenskünstler

Die Schiffsratte dient dem Menschen schon seit Jahrhunderten als wichtiger Indikator für Heuerangelegenheiten und Schiffsschicksal. Wollte im 15.Jh ein Matrose auf ein Schiff anheuern, so schaute er ob netto mehr Ratten auf das Schiff gingen als davon herunter, so wusste er, wie es um das Leben auf dem Schiff bestellt war. Auch waren Schiffsratten wichtige Indikatoren für das Schicksal eines Schiffes: Wenn dem Schiff ein feuchtes Ende bevorstand, verließen die Ratten den hölzernen Bauch rechtzeitig. Für den, der diese Zeichen zu lesen verstand, waren Schiffsratten quasi so wichtig wie der Kompass.

Die Herrenratte: Gegenstand einer Vision

Wie geht das Schicksal der Rattenheit weiter? Wir wissen es nicht. Wahrscheinlich ist es Zeit, in den genetischen Lauf der Rattenschaft
einzugreifen. Bevor wir diesen Schritt wagen, sollten wir erst einmal sehen, was die Anlagen der Ratte so zu bieten haben. Zu welchen Leistungs-Quantensprüngen ist die Ratte von ihrer Natur her präpariert? Kann es das geben: die Herrenratte? Die Ratte die alle Ratten erblassen lässt? Weißer als RAL 000? Haariger als ein Frettchen? Immun gegen Stress, Krankheit, französisches Bier und Pastinakenragout*?

Das Institut für Nietzschianische Ökobiotische Betrachtungen initiierte hier ein großes Projekt, das am Institut zur Erschaffung und Aufzucht der Herrenratte nun in die Tat umgesetzt werden soll. Großes steht in Aussicht. Ratten, die Versuche mit anderen Ratten machen? Ratten, die gleicher und doch alle Alpha-sozialisiert sind als jede Ratte, die wir uns heute überhaupt schon vorstellen können. Wollen wir die totale Ratte? Natürlich. So lange man es noch abbrechen kann, ist es noch ein Experiment.

*) Literaturhinweis
Das Pastinakenragout gestern und heute”, L. Etal et. al., Styrum 1885, www.pastinakenragout.de

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